Leitbild

Das hier vorliegende Leitbild ist Ergebnis eines von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Projekt Wohngemeinschaft e.V. getragenen Prozesses. Es möchte verdeutlichen, welchen Zielen bzw. Themen wir uns in den nächsten 5 Jahren widmen möchten.

Wir sehen unseren Auftrag darin, suchtmittelabhängige Menschen in ihrer eigenverantwortlichen Lebensführung zu unterstützen. Der Respekt der Würde der einzelnen Persönlichkeit drückt sich in einem Verzicht auf das Primat der Kontrolle und disziplinierender Maßnahmen aus.
Wir unterstützen die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden vielmehr bei der Entwicklung ihrer Fähigkeiten zu Selbstorganisation, der Entfaltung ihres Wohlergehens und ihrer kreativen Persönlichkeitsanteile. Wir wissen, dass dies Grundvoraussetzungen für eine vertrauensbildende Atmosphäre und Zusammenarbeit sind. Der Rehabilitand/die Rehabilitandin ist der
Experte bzw. die Expertin für das eigene Leben, wir unterstützen in der Entscheidungsfähigkeit.

 

Die handlungsleitende Vision besteht weiterhin in der Individualisierung der Behandlung. Wir stärken die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in ihren Autonomiebestrebungen und ihrer Eigenverantwortung, indem wir die Therapie nachvollziehbar am individuellen Bedarf ausrichten. Dieser Ansatz hat sich in den letzten Jahren bewährt, und unser Bemühen richtet
sich darauf, den Einzelfall zu verstehen, zu würdigen und den daraus resultierenden Behandlungsaufträgen gerecht zu werden.
Wir machen die Einzelne bzw. den Einzelnen noch stärker zum Bezugs- punkt der Rehabilitation und setzen unsere therapeutischen Maßnahmen flexibel und bedarfsgerecht ein, damit sie der Integration und Zieler- reichung des Einzelnen dienen. Dazu braucht es: ein überschaubares
Setting mit einer Vielzahl von Kontakten und Feedbacks, individualisierter Behandlungsplanung, fortlaufender Erfolgskontrolle und der Beteiligung der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden an Rehabilitationsplanung, -umsetzung und -bewertung.


Wir verstehen die Ambulantisierung der Behandlung in diesem Zusammenhang als Chance, den Rehabilitationsrahmen noch stärker im Sinne der Förderung von Autonomie und der Steigerung der Leistungs-fähigkeit der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden nutzen zu können.
Wir prüfen daher laufend, welche Behandlungsform geeignet ist, ein positives Rehabilitationsergebnis erreichen zu können.


Wir fördern die Integration, indem wir einerseits Defizite und Barrieren reduzieren bzw. deren Verschlechterung verhindern, andererseits jedoch ein besonderes Augenmerk auf die Ressourcen der uns anvertrauten Menschen richten. Wir sind davon überzeugt, dass ein gesundheits-förderlicher Lebensstil nur erprobt werden kann, wenn die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden wieder einen Zugang zu ihren zweifelsfrei vorhandenen Kompetenzen bekommen. Dies ist die wesentliche Voraussetzung dafür, ein autonomes und zufriedenes Leben
führen zu können. Eine Änderung des bisherigen Lebensstils ist nach unserer Erfahrung nur dann möglich, wenn die Beziehungs- und Bindungsfähigkeit der Rehabilitanden so ausgeprägt sind, dass die Aufnahme neuer, funktionaler Sozialkontakte möglich ist.


Unsere Aufmerksamkeit gilt in den nächsten Jahren insbesondere der gendergerechten Rehabilitation, um die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden für die eigene – und andere – geschlechtsspezifische Identitäten zu sensibilisieren. Wir wissen um die geschlechterdifferenten
Erfahrungen, Realitäten und Ressourcen von Frauen und Männern. In der Praxis bedeutet dies, dass wir im Schutzrahmen der Entwöhnungs-behandlung ausschließlich Männern behandeln, um eine Konzentration auf die entwöhnungsspezifischen Themen zu ermöglichen. Männerreflek-tierende Suchtarbeit lässt sich damit angemessen sicher stellen.

Im realitätsnäheren Erprobungsrahmen der Adaption und des Betreuten Wohnens lassen sich unterschiedliche Lebensstile hingegen überprüfen und integrieren, hier behandeln wir Frauen und Männer. Entscheidend ist, dass wir sämtliche Angebote darauf hin prüfen, ob sie den geschlechter-relevanten Besonderheiten gerecht werden. Dies umfasst auch, dass
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ihre eigene Rolle und das eigene Handeln insbesondere im Hinblick auf Gegengeschlechtlichkeit sensibilisiert sind.